Neujahrsempfang des DGB

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann diskutiert mit WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger, Prof. Dr. Gerhard Bosch (Direktor de IAQ), Dr. Andreas Boes (ISF München) und Prof. Dr. Kerstin Jürgens (Universität Kassel)

Höher, schneller, weiter - dieser Slogan wird gerne dazu genutzt, den Menschen in der modernen Arbeits- und Lebenswelt zu charakterisieren. Doch ist unsere Zukunft allein davon bestimmt, Arbeit und Leben immer weiter zu entgrenzen? Welche Trends werden die  Zukunft der Arbeit prägen und wie können wir darauf reagieren? Darüber diskutierte auf dem Neujahrsempfang des DGB der Vorsitzende Reiner Hoffmann mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus dem Gebiet der Arbeits- und Sozialforschung.

Eine besondere Herausforderung stellt nach Ansicht der Fachleute die Digitalisierung dar. Sie schafft einen „weltweiten Informationsraum“ und beeinflusst so die räumliche und zeitliche Flexibilität der Beschäftigten. Digitale Technologien machen unsere Arbeit globaler. Sie vernetzten Arbeitsprozesse und individuelle Lebenssituationen. Und sie werden den klassischen Büro-Arbeitstag von neun bis fünf ebenso auf den Kopf stellen wie die Struktur der Industriearbeit. „Wenn wir über Digitalisierung oder Industrie 4.0 sprechen, dann sollten wir berücksichtigen, dass der Technikeinsatz nicht zwingend die Arbeitsbedingungen determinieren muss. Vielmehr sollten wir Arbeitsprozesse mit neuen Technologien vom Menschen her gestalten“, so der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

Auch Dr. Andreas Boes von der Universität Duisburg-Essen bewertet die Digitalisierung als einen der Top-Trends der zukünftigen Arbeitswelt. Boes sieht in der kommunikativen, weltweit vernetzten Gesellschaft aber vor allem Chancen für den Arbeitsmarkt. Um die zu nutzen, sei eine Anpassung der Arbeitszeitrichtlinien allerdings unumgänglich.

Zeitsouveränitat, das heißt der selbstbestimmte und an individuelle Bedürfnisse angepasste Umgang mit Zeit, ist ein weiteres Merkmal zukünftiger Arbeit, das alle Podiumsgäste an diesem Abend fordern. Denn dadurch werde auch ein Familienmodell unterstützt, das es Vätern und Müttern ermögliche, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Erst wenn Familie und Beruf genauso wie unser Leben und Arbeitsalltag vereinbar werden, kann die Zukunft der Arbeit gestaltet werden: Weiblicher, flexibler, digitaler, individueller wird diese Arbeitswelt sein. Das sind zumindest die  Mega-Trends, die die Forscher und Forscherinnen an diesem Abend aufzeigen.  Kein ganz so einfacher Slogan, aber dafür sehr viel realistischer und herausfordernder.

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