Auf meiner Terrasse steht eine große Holzkiste; in der lagere ich Gartengeräte. Bei einem der letzten schweren Gewitter hat eine Windböe den Klappdeckel der Kiste angehoben und aus einem seiner Scharniere gerissen. Dumme Sache, denn der Deckel rastet seitdem in geöffnetem Zustand nicht mehr zuverlässig ein. Wenn ich jetzt etwas in der Kiste suche, tue ich gut daran, mich in gebückter Haltung mit dem Kopf gegen den Deckel zu stemmen, um ein plötzliches Zuschlagen zu verhindern. Das ist ergonomischer Unsinn und zudem unfallträchtig. Ich weiß wovon ich spreche. Und natürlich habe ich meinen Mann gewarnt, der nun auch fleißig den Trick mit dem Katzenbuckel und dem Deckel auf dem Kopf praktiziert…

Bild: WoGi, Fotolia.com

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Auch in Betrieben gibt es ähnliche Situationen: Kleine und auch größere potenzielle Unfallquellen, die bekannt sind, aber nicht behoben werden nach dem Motto “Es wird schon nichts passieren”. Beinahe-Unfälle, die niemand ernst nimmt oder gar meldet: “Da hab’ ich wohl nicht aufgepasst; die anderen werden sich schon schlauer anstellen”. Riskantes Verhalten im Team, das unkommentiert bleibt: „Da misch ich mich nicht ein.“ Nachvollziehbare Reaktionen? Ja, wahrscheinlich. Aber sicher keine guten Gründe, um Unfälle und damit verbundene Verletzungen oder gar Tod in Kauf zu nehmen.

Immer mehr Betriebe arbeiten deshalb daran, Sicherheit zum festen Bestandteil des betrieblichen Alltags und Miteinanders zu machen; null Unfälle bei der Arbeit lautet die Devise. Dazu braucht es mehr als nur Vorschriften und Kontrolle: Vorgesetzte als Vorbilder, gelebte Sicherheit und gesundheitsbewusstes Verhalten im Betrieb, Kolleginnen und Kollegen, die aufeinander achten und ein offener Umgang mit Fehlern sind gefragt. Mit welchen Strategien und Mitteln Unternehmen das erreichen, ist sehr verschieden.

Das Institut für Arbeitsschutz der DGUV hat ein Forum ins Leben gerufen, in dem sich Betriebe genau dazu austauschen: Wer macht was in Sachen Sicherheitskultur? Welche Ansätze funktionieren wo besonders gut? Wer kann von wem lernen? Denn schließlich muss nicht überall das Rad buchstäblich neu erfunden werden. Wenn Sie also auch in Ihrem Unternehmen das Rad der Sicherheit in Schwung bringen wollen, empfiehlt sich ein Blick ins Internet. Dort finden Sie alles zum sogenannten Zero Accident Forum, das Forum für null Unfälle. Und sollten Sie selbst nur ein kleines Rad im betrieblichen Getriebe sein, geben Sie den Tipp doch einfach weiter – an Ihre Sifa oder gleich an Ihre Chefetage! Vielleicht wollen auch die “Voneinander lernen für null Unfälle”.

Ina NeitznerDies ist ein Gastbeitrag von unserer Kollegin Ina Neitzner. Frau Neitzner arbeitet im Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) und leitet dort das Referat “Wissenschaftliche Kooperationen”. In ihre Zuständigkeit fällt auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Institut. Privat schlägt ihr Herz für Tanz, Literatur und Frankreich.

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5 Antworten auf Voneinander lernen für null Unfälle

  1. Aksis85 sagt:

    Ein sehr guter Beitrag, vielen Dank! Ich denke neben der Aufmerksamkeit sollte man vor allem durch Langsamverkehr und Verkehrsberuhigung die Gefahren reduzieren. Dann sind kleine Unfälle meist auch nicht mehr so folgenschwer.

  2. Pingback: Best of…. 2015 | Aus erster Hand – der DGUV Blog

  3. Es gibt auch ergonomischen Unsinn da wo man ihn überhaupt nicht vermutet, in beinahe allen Pkw neuerer Bauart.
    Dass die Mehrzahl der Pkw-Sitze für Außendienstler, Langstreckenpendler und sonstige Vielfahrer ungeeignet ist wissen diejenigen die täglich zwei Stunden und mehr drauf sitzen müssen.
    Besonders die nach hinten abfallende Sitzfläche – ein Relikt der “passiven Sicherheit” aus der Zeit in der es noch keinen Beckengurt gab – zwingt in bandscheibenschädigende ( “aufrechte” /ADAC) Sitzhaltung.
    Dass die Kopf”stütze” keine Stütze sondern technisch exakt als Kopf”fänger ” eine vom Gesetzgeber zwingend geforderte Sicherheitseinrichtung ist, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Die neuerdings verstärkt bei Premium-Sitzen angebotenen nach vorn aus dem Kopffänger herausstellbaren Kopfpolster missachten ergonomische Grundforderungen: die Stützung der LORDOSEN!
    Analog zur LENDEN-Lordosestützung wäre also die NACKEN-Lordosestützung der ergonomisch richtige Weg, für ein zielführendes präventives Angebot – akut & Langzeit – an alle Vielfahrer.
    LORDKISS auf der A+A Düsseldorf 2015, Corporate Health and Workplace Design Bühne, Halle 10 + Stand

  4. Rinhard Walleter sagt:

    Diesen Blog halten wir für eine sehr gute Idee.

    Wir werden ihn unseren Mitgliedsbetrieben ans Herz legen.

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