Manchmal habe ich den Eindruck, wir vergessen, wie völlig unterschiedlich unsere Welt noch ist, trotz Starbucks, Haribo und deutschen Autos. Sicher, man trifft mittlerweile in allen Ländern auf bekannte Produkte. Doch Sozialversicherungssysteme, wo es sie denn gibt, sind oft extremen Bedingungen ausgesetzt, Verhältnissen, die uns völlig fremd sind.

Einbaumboot im Amazonas

Foto: Bernd Kulow

Im Vorfeld des Weltkongresses 2014 kam ich mit unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. So erzählte mir Baboloki Reetsang aus Botswana über das dortige Rentensystem. Botswana ist ein Vorzeigeland Afrikas, seit der Unabhängigkeit 1966 ist es ein politisch stabiles, demokratisches Land. Und jeder Bürger und jede Bürgerin des Landes ist gesetzlich Renten versichert. Das klingt beruhigend.

Doch Botswana ist groß und dabei eines der am dünnsten besiedelten Länder der Welt. Eine Verkehrsinfrastruktur wie in Deutschland gibt es nicht. In den weit abgelegenen Dörfern haben viele Menschen keine Ausweise, keine Geburtsurkunden, ja, kennen oft ihr Alter nicht.

Die Rente aber kommt nicht von selbst zu ihnen. Sie müssen sich in der Hauptstadt Gaborone bei der entsprechenden Behörde melden, mit einem Nachweis über ihr Alter. Doch häufig wissen sie gar nichts von ihrem Anspruch auf Rente, besitzen keine gültigen Papiere, können ihr Alter allenfalls schätzen und sehen keine Möglichkeit in die Hauptstadt zu reisen.

Tief im Amazonas-Dschungel gelegene Dörfer sind nur per Boot zu erreichen.

Tief im Amazonas-Dschungel gelegene Dörfer sind nur per Boot zu erreichen. Foto: Bernd Kulow

Oder Brasilien. Ich war zwar schon im Amazonas Gebiet, aber dennoch überraschten mich die Fakten über das Sozialprogramm Bolsa Familia, die die Vertreterin des brasilianischen Sozialministeriums auf einer Veranstaltung der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) präsentierte. Im Rahmen dieses Programms, das als vorbildlich gilt, bekommen arme, kinderreiche Familien monatliche Geldüberweisungen, die an klare Bedingungen geknüpft sind. So müssen die Kinder zum Beispiel regelmäßig zur Schule gehen.

Einbaumboote am Ufer des Amazonas

Einbaum-Boote als Verkehrsmittel
Foto: Bernd Kulow

Im riesigen Amazonasgebiet Brasiliens, mit dem dichten Regenwald und den über 1.000 Nebenflüssen des Amazonas, leben Zigtausende arme Familien, die Anspruch auf die Leistungen des Programms Bolsa Familia haben. Doch sie wissen nichts davon. Jetzt sind über 1.100 Schnellboote im Amazonasgebiet unterwegs, um diese Familien ausfindig zu machen und in das Programm aufzunehmen.

Die Lebensbedingungen auf unserem Erdball sind grundverschieden. Für Sozialversicherungssysteme sind unterschiedlichste Anpassungen erforderlich.

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