Wo soll ich nur mit den tausend Bildern im Kopf beginnen?

Vielleicht bei der ausgelassenen Atmosphäre, den hunderten Besucherinnen und Besuchern mit ihren verblüfften Gesichtern…

Oder damit wie schön es war, all die Leute wiederzutreffen, die wir vorab für den Social Media Auftritt  des Tags ohne Grenzen interviewt haben?

Oder vielleicht mit den vielen schönen Momenten, mit den zahlreichen begeisterten Kommentaren der Besucherinnen und Besucher, der Akteure, der Helferinnen und Helfer…

Bei dem wunderschönen Wetter?

Die große Zeltlandschaft auf dem Hamburger Rathausmarkt bei strahlendem blauen Himmel

Bild: MSSP – MICHAEL SCHWARTZ SPORTPHOTO

Mit dem “Tag ohne Grenzen” haben sich die Initiatoren Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, die Unfallkassen und Berufsgenossenschaften sowie der Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Die Großveranstaltung für den Reha- und Behindertensport am 05.und 06. Juni 2015 auf dem Hamburger Rathausmarkt war ein unvergessliches Ereignis. Nicht nur für mich, sondern vor allem für diejenigen, die den Tag ohne Grenzen durch ihre Leistungen, ihren Einsatz, ihre Offenheit und Entdeckungsfreude unvergesslich gemacht haben.

Mein Kollege Sam und ich haben uns zusammen mit Rebecca Maschke um den Social Media Auftritt der riesigen Veranstaltung gekümmert und waren ab dem 04. Juni vor Ort.

Ich weiß noch wie ich an dem Donnerstag vor dem großen Tag das erste Mal vom Hotel zum Rathaus gelaufen bin, um die Ecke bog und dieses riesige Zelt gesehen habe, was ich bis dahin nur von Bildern kannte. Wow! Und wie cool man sich fühlt, wenn man an den ganzen Passanten vorbei läuft und ganz lässig unter dem Absperrband durchschlüpfen kann!

Naja… aber wir waren ja nicht zum reinen Vergnügen auf dem Rathausmarkt in Hamburg. Hinter dem Absperrband lief Anthony Kahlfeldt vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V., welcher den Tag ohne Grenzen organisierte, mit einem Walkie-Talkie kreuz und quer und koordinierte die letzten Aufbauarbeiten. Wir machten uns mit den Kolleginnen und Kollegen von der DGUV eifrig daran, die Materialien zum Info-Stand zu bringen, zu sortieren und dutzende „Tag ohne Grenzen“-T-Shirts aufzuteilen.

Am nächsten Morgen war alles und jeder startklar und der Tag ohne Grenzen stand uns direkt bevor. Unter dem Zelt versammelten sich schon um 08:30 Uhr nach und nach die Teams des inklusiven Schulturniers im Rollstuhl-Basketball. Alle waren sichtlich aufgeregt. Auch wenn die Jungs und Mädels ganz cool in ihren Teams beisammen standen, als ob der Auftritt im Herzen Hamburgs zum Alltag gehört, so konnte doch keiner verbergen, dass er etwas ganz Besonderes war.

Die Schülerinnen und Schüler sorgten mit ihrer Euphorie schon morgens für super Stimmung, die viele Passanten anlockte. Nach der Siegerehrung des Schulturniers forderten die Moderatoren Birgit Langhammer und Andreas Kuhnt die Leute auf, ein Spalier für die Läuferinnen und Läufer des Inklusionsfackellaufs vom Netzwerk Inklusion Deutschland zu bilden. So teilte sich die Menschenmenge wie von Zauberhand und ich dachte mir: „Ja, das ist es, was bei solchen Veranstaltung plötzlich so selbstverständlich wird.“

Dieses wunderbare Erlebnis, wenn aus dem Moment der Begeisterung heraus ein bedingungsloses Gemeinschaftsgefühl entsteht – dieses Erlebnis hielt der Tag ohne Grenzen noch öfters für uns bereit.

David Lebuser beim Wheelchair Skaten am Tag ohne Grenzen Bild: MSSP - MICHAEL SCHWARTZ SPORTPHOTO

David Lebuser beim Wheelchair Skaten am Tag ohne Grenzen
Bild: MSSP – MICHAEL SCHWARTZ SPORTPHOTO

Zum Beispiel immer dann, wenn die schaulustigen Besucherinnen und Besucher beim Skatepark kurz den Atem anhielten, wenn Wheelchair-Skater David Lebuser und Thomas Winkler, Deutschlands einziger Skateboarder mit Beinprothese, über die Rampen flogen und ihre Tricks zeigten.

Oder wenn sich um das Basketballfeld herum eine immer größer werdende Menschenmenge bildete, um die Teams bei den Länderspielen im Rollstuhl-Basketball und Rollstuhl-Rugby anzufeuern.

Als Paralympics-Sieger Heinrich Popow mit seinem konzentrierten, zielgerichteten Blick auf den Anlauf-Steg mit aufgedrehten Handflächen und leicht nach vorn gebeugtem Körper die Arme langsam seitlich hob und vom rhythmischen Klatschen des Publikums getragen zum Sprint ansetzte.

Aber auch immer dann, wenn sich die neugierigen Passanten trauten, in einen Rollstuhl zu setzen und sich von Philipp Opong oder Nicole Seifert zeigen ließen, wie man im Alltag am besten mit dem Gefährt umgeht.

Die wunderschöne Darbietung im Rollstuhl-Tanz von Andrea Neumann und Jean-Marc Clément, die Kinder mit ihren pinken „Überflieger“-Luftballons vor dem blauen Himmel, die vielen Leute bei den Mitmach-Ständen, die unzähligen staunenden, verblüfften, skeptischen, begeisterten, konzentrierten, fassungslosen, strahlenden Gesichter – Es war wie ein wunderschöner Traum, dieser Tag ohne Grenzen.

Bild: MSSP - MICHAEL SCHWARTZ SPORTPHOTO

Andrea Neumann und Jean-Marc Clément beim Rollstuhltanz Bild: MSSP – MICHAEL SCHWARTZ SPORTPHOTO

Und noch ein kleines Gänsehauterlebnis zum Abschluss: Am Samstag traf ich unter anderem auf Sabrina, eine Ausbilderin von der Polizeischule Hamburg. Zusammen mit ganz vielen Polizeischülerinnen und -schülern war sie als Helferin im Einsatz. Als ich fragte, was sie über den Tag ohne Grenzen denkt, sagte sie:

„Der große Vorteil bei der Veranstaltung ist, dass Menschen ohne Behinderung sehr viel ausprobieren können, und das fördert das Verständnis und baut Berührungsängste ab. Wir sind hier zum Beispiel als Helfer eingeteilt und die ganze Klasse hat vorgeschlagen, den Behindertensport in den eignen Betriebsausflug zu integrieren.”

Ein größeres Kompliment kann man dem Tag ohne Grenzen wohl kaum machen. Offensichtlich hatte er sein Ziel erreicht, indem er zeigte, wie wichtig der Sport in vielerlei Hinsicht für die Rehabilitation ist, welchen Beitrag er auf dem Weg zur Inklusion leistet, und wie wunderbar ein Miteinander ohne Grenzen sein kann.

Maxie BorchertDies ist ein Gastbeitrag von Maxie Borchert. Maxie war 2012 Jugendreporterin der “Paralympics Zeitung” und schrieb insbesondere auch Artikel über die Dokumentation “GOLD – Du kannst mehr als Du denkst”. Inspiriert durch diese Erfahrung und den Film GOLD realisierte sie im vergangenen Jahr ihr eigenes Filmprojekt “Bunter Sand”, welches unter anderem den Wert der Begegnung in der heutigen Zeit beleuchtet. 

Verschlagwortet mit: , , , , , , ,

2 Antworten auf Tausend grenzenlose Bilder

  1. Malte sagt:

    Liebe Maxie, ein großartiges Resumee einer wunderbaren Veranstaltung! An dieser Stelle auch mal ein ganz großes Lob an Dich und Sam: ihr habt so tolle, vielseitige Vorberichte, Interviews und Videos erstellt, das hat echt die Vorfreude geweckt! Dann an beiden Tagen alle Aktionen per Video begleitet und alles auch noch unmittelbar online gestellt – damit habt auch den Leuten, die nicht vor Ort dabei sein konnten viele bunte Eindrücke vermitteln können. Das waren definitiv mehr als nur 1000 tausend grenzenlose Bilder und von Anfang bis Ende einfach “ne runde Sache” :)

    Hut ab vor Eurem Engagement der vergangenen Wochen – erst dadurch wurde der Tag ohne Grenzen auch im Netz 2.0 zum Riesenevent!

  2. Sandra sagt:

    Liebe Maxie, mit Deinem Beitrag sprichst Du mir aus der Seele. Super!!!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *