Eine Gesellschaft lebt nicht alleine von der Erwerbsarbeit. Das Engagement von ehrenamtlich Tätigen und Freiwilligen ist unverzichtbar für den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Daran erinnert der alljährliche Internationale Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember.

Zwei Feuerwehrleute bei der Arbeit: Die freiwillige Feuerwehr wird getragen vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. (Bild: Tack)

Die freiwillige Feuerwehr wird getragen vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. (Bild: Tack)

Etwa 40 Prozent der Deutschen arbeiten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes unentgeltlich in den verschiedensten Bereichen – von der freiwilligen Feuerwehr bis zum Musikverein.

Aktuell macht das Ehrenamt Schlagzeilen. Denn viele Menschen wollen bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisen- und Kriegsgebieten helfen. Sie arbeiten in Übergangsheimen, bei der Essensausgabe, in Kleiderkammern oder geben Deutschunterricht. Der Bedarf ist groß.

In vielen Fällen sind sie dabei gesetzlich unfallversichert. Weil sie im Interesse der Allgemeinheit tätig werden, genießen sie ebenso wie Beschäftigte den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Voraussetzung ist allerdings, dass das Ehrenamt für  eine Schule, eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder einen Verein im Auftrag einer Kommune ausgeübt wird.

Was heißt das konkret für jemanden, der zum Beispiel eine syrische Familie bei ihren Behördengängen unterstützt und sich dabei ein Bein bricht? Hat er seinen Einsatz im Auftrag der Kommune oder eines von ihr beauftragten Verbandes oder Vereins geleistet, übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten der Heilbehandlung und Rehabilitation. Wenn es zu bleibenden Schäden kommt, zahlt sie auch eine Rente.

Viele Menschen aus Krisengebieten suchen in Deutschland Zuflucht. Unterstützung bei der Erstversorgung und der Integration bekommen Sie von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. (Bild: Fotolia)

Viele Menschen aus Krisengebieten suchen in Deutschland Zuflucht. Unterstützung bei der Erstversorgung und der Integration bekommen Sie von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. (Bild: Fotolia)

Nicht versichert sind hingegen alle Aktivitäten, die Privatleute in Eigenregie mit den Flüchtlingen durchführen: zum Beispiel private Ausflüge, sportliche Aktivitäten oder Einladungen zum Essen. Für Unfälle in der Privatsphäre sind die Krankenkassen zuständig.

Ein Tipp für alle, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren wollen: Sie sollten sich dafür am besten bei ihrer Kommune oder einem Wohlfahrtsverband melden. Es ist auch sinnvoll, die Namen der Helferinnen und Helfer von Anfang an in Listen einzutragen. Bei einem Unfall erspart man sich dann hinterher lästige Nachforschungen.

Ehrenamt in der Selbstverwaltung

Das Thema Ehrenamt hat aber für die gesetzliche Unfallversicherung noch eine weiter reichende Bedeutung. Die Selbstverwaltung der Unfallversicherung sowie auch der anderen Sozialversicherungszweige besteht aus Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern. Alle sechs Jahre werden sie zu gleichen Teilen aus der Gruppe der Arbeitgeber und der Versicherten gewählt. Zusammen stellen sie die Leitungsgremien der gesetzlichen Sozialversicherungen.

Diese Form der Verwaltung ist recht einzigartig. Im Fall der gesetzlichen Unfallversicherung garantiert sie, dass das Wissen und die Bedürfnisse aus den Betrieben und Organisationen direkt einfließen in die Entscheidungen der Unfallversicherung. Allgemeiner gesprochen kann man sagen: Selbstverwaltung ist lebendige Demokratie. Bürger und Bürgerinnen werden direkt beteiligt an der Erfüllung staatlicher Aufgaben.

Wie das Prinzip Selbstverwaltung funktioniert, zeigt ein kleiner Film auf der folgenden Homepage: http://www.selbstverwaltung.de /

Screenshot aus dem Erklärvideo zur Selbstverwaltung in der gesetzlichen Sozialverwaltung (Bild: Selbstverwaltung.de)

Wie funktioniert die Selbstverwaltung in der gesetzlichen Sozialversicherung? (Bild: Selbstverwaltung.de)

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4 Antworten auf Sicher im Ehrenamt

    • Stefan Boltz Stefan Boltz sagt:

      Sehr geehrter Herr Fonk,

      vielen Dank für Ihren Kommentar, den ich leider erst jetzt bemerkt habe. Ich bedauere, dass Sie einige Tage auf eine Reaktion warten mussten.

      In diesem Blogtext ging es vor allem darum, einen Hinweis auf den grundsätzlichen Versicherungsschutz im Ehrenamt zu geben. Zu dem konkret von Ihnen angesprochenen Fall können wir keine Aussage treffen, da wir hierzu über keine Informationen verfügen. Vielleicht helfen folgende Hinweise weiter:
      Die Verwaltung einer Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse ist bei der Bewertung, ob es sich um einen Versicherungsfall handelt, an Recht und Gesetz gebunden. Das Gesetz legt fest, dass die gesetzliche Unfallversicherung nur dann leisten darf, wenn die versicherte Tätigkeit – in Ihrem Beispiel der Feuerwehreinsatz – ursächlich für den Gesundheitsschaden ist. Das liegt daran, dass die Unfallversicherung die Haftung für den Arbeitgeber – in Ihrem Beispiel den Dienstherrn – übernimmt. Vereinfacht gesprochen darf die Unfallversicherung nur dann entschädigen, wenn der Gesundheitsschaden einer versicherten Person dem Arbeitgeber haftungsrechtlich zugerechnet werden kann.
      Schwierig kann es dann werden, wenn ein Gesundheitsschaden durch einen Unfall bei der Arbeit zum ersten Mal auffällt. Dann stellt sich die Frage, ob der Unfall für den Schaden verantwortlich ist oder aber eine bereits bestehende Erkrankung oder Schädigung des betroffenen Körperteils. Auch wenn das für Laien mitunter schwer nachvollziehbar erscheint: Fachleute können inzwischen sehr gut zwischen beiden Fällen unterscheiden. Und wenn sie zu dem Schluss kommen, dass der Unfall den Gesundheitsschaden nicht verursacht haben kann, dann muss die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse den Versicherungsschutz verneinen. Das kommt einer Stichprobe der Unfallkassen zufolge allerdings eher selten vor, nachzulesen auf Seite 12 in unserer Fachzeitschrift DGUV Forum. Wichtig zu wissen ist also: Der Gesetzgeber hat gewollt, dass der Arbeitgeber – im Fall der Feuerwehren die Staatskasse (und damit letztlich wir alle) – dann haftet, wenn jemand durch einen Unfall bei der Arbeit zu Schaden kommt. Die jeweiligen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter der Unfallkassen und Berufsgenossenschaften haben die Aufgabe zu entscheiden, ob das der Fall ist. Kontrolliert werden sie dabei von den Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitgeber und Versicherten in der Selbstverwaltung.
      Wie gesagt: Das ist keine Aussage zu dem angesprochenen Einzelfall. Wir hoffen aber, dass diese Erklärungen Ihnen dabei helfen zu verstehen, warum nicht jede Entscheidung zugunsten der Versicherten ausfallen kann.

      Viele Grüße und alles Gute für 2016!
      Stefan Boltz

  1. Detlef Fonk sagt:

    Sicher im Ehrenamt?
    Wenn ein Feuerwehrmann von einer Leiter stürzt ist das angeblich kein Dienstunfall das hätte auch privat geschehen können. Tolle Ehrenamt Absicherung!

  2. Ist es nicht scheinheilig, wenn die Bundesregierung einerseits nichts gegen Flüchtlingsursachen unternimmt- im Gegenteil- diese immer wieder durch Unterstützung von Despoten und Waffenlieferungen fördert und anderseits sich “stoisch entsetzt” zeigt über all die unschönen Begleiterscheinungen beim Flüchtlingsthema und obendrein die Städte und Gemeinden viel zu lange im Regen stehen lässt?

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