Radelnd am Arbeitsplatz sitzen – unter diesem Motto will die Deutsche Telekom die Gesundheit ihrer Angestellten verbessern. Seit Mitte November stellt das Unternehmen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im neu gebauten Konzernhaus in Hamburg und in der Bonner Service-Zentrale insgesamt 220 Deskbikes bereit. Der innovative Ersatz zum klassischen Bürostuhl erinnert an einen Fahrradheimtrainer. Beschäftigte können so während ihrer Tätigkeit am Schreibtisch in die Pedale treten und ihre Fitness verbessern.

Am Schreibtisch arbeiten und gleichzeitig in die Pedale treten. Das "Deskbike" ist eine Möglichkeit, mehr Bewegung in den Berufsalltag zu bringen. (Bild: Deutsche Telelkom AG, Thomas Ollendorf)

Am Schreibtisch arbeiten und gleichzeitig in die Pedale treten. Das “Deskbike” ist eine Möglichkeit, mehr Bewegung in den Berufsalltag zu bringen
(Bild: Deutsche Telekom AG, Thomas Ollendorf)

Denn die Deutschen sitzen zu viel: nach einem Report der Deutschen Krankenversicherung aus dem Jahr 2015 sitzen sie im Schnitt siebeneinhalb Stunden am Tag. Dieser Bewegungsmangel führt häufig zu Herz-Kreislauf-Problemen, Diabetes, Übergewicht und insbesondere zu Muskel-Skelett-Erkrankungen – auch bei der Telekom sind das Hauptgründe für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Um dem entgegenzuwirken, hat das Unternehmen jetzt die Initiative für mehr Bewegung im Arbeitsalltag gestartet.

Wissenschaftliche Begleitung

Im Rahmen einer sechswöchigen Pilotphase testeten 60 Mitarbeiter am Standort Köln verschiedene mobile Bewegungsgeräte. Am stärksten überzeugt hat das Deskbike: „Macht Spaß“, „Man fühlt sich gut und wohl“ – so die Resonanz der Probanden. Die Telekom hörte jedoch nicht nur auf das Urteil der Nutzerinnen und Nutzer, sondern ließ die Pilotphase durch eine gemeinsame Studie der Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation, des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung und der Deutschen Sporthochschule Köln begleiten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten dabei nicht nur die Akzeptanz und das Wohlbefinden der Probanden, sondern auch physiologische Aktivitätskennwerte, Energieumsätze und Körperhaltungen.

Bitte mehr davon

„Wir bekommen die Räder jetzt dauerhaft? – Super!” Solche und ähnliche Rückmeldungen erhalten die Projektmitglieder, wenn sie mit den Deskbikes auftauchen. „Davon habe ich schon gehört. Wo kann man sich melden, damit man für seinen Bereich auch eins bekommt?” Alle interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in einem kurzen Info-Workshop zur Funktionsweise der Geräte geschult. Kalorienverbrauch, Dauer und Entfernung können beispielsweise anhand einer App überprüft werden. „Das ist genau das richtige für mich. Bewegen während der Arbeitszeit, das fehlte bisher” sagen inzwischen selbst Kolleginnen und Kollegen, die anfangs kein Interesse hatten.

Wer sich bewegt, leistet mehr

Fazit der Studie: Die Nutzer haben nicht nur den Spaß, auch die mentale Aktivität steigt durch die Bewegung. Dazu müssen die Beschäftigten keineswegs den ganzen Tag strampeln: Ideal ist es, zwei- bis dreimal täglich für 15 bis 20 Minuten zu treten, sagen Experten. Weiterer positiver Nebeneffekt: Die Beschäftigten verbrauchen beim Radeln mehr Kalorien als bei einer rein sitzenden Tätigkeit. „Das Ergebnis der Testphase hat uns überzeugt“, sagt Dr. Anne-Katrin Krempien, Leiterin Health & Safety Management der Telekom. „Die Deskbikes in Hamburg und Bonn sind daher erst der Anfang dieses bisher einzigartigen Konzepts gegen Bewegungsmangel am Arbeitsplatz. Wir wollen die Geräte ab 2017 auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an weiteren nationalen und internationalen Standorten der Telekom zur Verfügung stellen.“

 

Jacqueline Venohr, Deutsche Telekom AG. (Bild: privat)

Jacqueline Venohr, Deutsche Telekom AG. (Bild: privat)

Wir danken Jacqueline Venohr von der Deutschen Telekom AG für diesen Gastbeitrag.

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9 Antworten auf Rad fahren am Arbeitsplatz: Telekom setzt auf Deskbikes

  1. Stephan sagt:

    Wäre es nicht einfacher und vor allem sicherer, mit herkömmlichen Mitteln (https://www.bueromoebel-experte.de/ratgeber/ergonomie-ratgeber/gesundes-sitzen-bewegung-am-arbeitsplatz/) dafür zu sorgen, dass sich die Belegschaft während der Arbeitszeiten etwas mehr bewegt?
    Hier gibt es doch schon so viele Ansätze und Ideen, Stand-Up-Meetings, höhenverstellbare Tische, Drucker weg stellen, etc.
    Nicht falsch verstehen – ich bin immer für mehr Bewegung am Arbeitsplatz. Aber solche Geräte sind erfahrungsgemäß leider nicht wirklich leise und dann halte ich das Unfallrisiko auch für relativ hoch. Gerade bei etwas unsportlicheren Angestellten, die mit der Balnce ein paar Probleme haben. Der Sattel sorgt bei mir schon beim Anschauen ürbigens auch für Schmerzen im Allerwertesten :) Und ich weiß, wie wichtig ein guter Stattel ist, denn ich fahre im Jahr gerne mal an die 5000km mit dem Fahrrad.

    • Lieber Stephan,

      vielen Dank für Deine kritischen Gedanken und kreativen Vorschläge. Das Grundproblem, dass die Telekom hier lösen möchte, sind die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Probleme eines sedentären Lebensstiles, d.h. lange, sitzende Perioden mit geringer körperlicher Aktivität. Leider kann man die körperliche Aktivität nicht mit höhenverstellbaren Tischen oder Stand-Up Meetings nicht erhöhen. Auch ergonomische Sitz-Möbel verbessern zwar die Haltung, aber erhöhen nicht den Energieverbrauch.

      Das Thema Unfallrisiko kann man ganz gut mit Fitnesstudios vergleichen. Hier sind quasi keine Unfälle mit Fahrradergometern bekannt. Im Büro wird es da sicher nicht anders aussehen.

  2. Herr Neugierig sagt:

    Schönen Guten Tag,

    ich würde dieses Thema gerne nochmal aufgreifen.

    Ich bin auf das Deskbike über die aktuelle Ausgabe von EroMed aufmerksam geworden.

    So wie ich das nachvollziehen kann, kommt das Thema Deskbike aus den Niederlanden. Als AG würde mich aber die rechtliche Situation interessieren. Den Anforderungen der BG an einem Bürostuhl entspricht das Deskbike ja nicht. ( Allein das Thema Rückenlehne passt ja schon nicht)
    Bitte nicht falsch verstehen, ich will das Thema nicht schlecht reden und über die med. Wirksamkeit brauchen wir uns auch nicht zu unterhalten.
    Mir geht es nur darum, was passiert / wer zahlt wenn jemand von so einem Bike fällt ,im schlimmsten Fall nach hinten auf den Kopf. ( warum auch immer) . Hier hatten wir kürzlich die Diskussion bzgl. der Sitzbälle.
    Vielen Dank für Ihre Hilfe

    • Elke Biesel Elke Biesel sagt:

      Guten Tag HErr Neugierig,

      danke für Ihre interessante Nachfrage. Zunächst: Das Deskbike ist kein Sportgerät. Es ist eher eine Ergänzung zum konventionellen Bürostuhl. Bei dem Test des Deskbike in den Telekom-Büros wurden die Beschäftigten zuvor umfangreich eingewiesen und es wurde eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt .
      Für den Fall, dass es bei Nutzung des Geräts doch zu einem Unfall kommen sollte, gilt: Solange bei der Nutzung des Deskbikes die Arbeit – sprich die „unternehmensdienliche“ Tätigkeit – im Vordergrund steht, besteht in der Regel Versicherungsschutz durch die gesetzliche Unfallversicherung.

      Viele Grüße Ihr UV Team

  3. Fahrradfahren am Schreibtisch ist eine hervorragende Idee. In zahlreichen Studien wurde bereits gezeigt, dass man damit nicht nur alle Tätigkeiten am Schreibtisch ohne große Einschräkung durchführen kann, sondern ganz im Gegenteil sogar geistig aktiver ist.

    @braun: die Sportgeräte sollen den Bürostuhl nicht ersetzen, sondern ergänzen. Wer nicht von einem Bürostuhl fällt, wird auch nicht von einem Fahrrad fallen. Auch die tägliche Fahrt mit dem Fahrrad zur Arbeit soll nicht ersetzt werden, sondern ergänzt. Der Mensch ist für Bewegung optimiert, deshalb sind täglich 8h bewegungsarmes sitzen nicht artgerecht und die Ursache vieler Zivilisationserkrankungen unter denen wir heute leiden.

    Es gibt übrigens auch eine interessante Alternative zum Deskbike “Made in Germany”, den FitSeat (http://www.fitseat.net).

  4. Andreas sagt:

    Tolle Stühle! Was ich bisher kenne sind höhenverstellbare Schreibtische, so das man auch mal im stehen arbeiten kann. Ähnliches kenne ich von Laufband Schreibtischen. Im Prinzip wie ein normales Laufband, nur eben mit Tisch oben, so das man während dem gehen arbeiten kann.

  5. Dscheybee sagt:

    Eine hervorragende Initiative ! Leider werden solch innovativen Ideen meist noch mit Sport assoziiert; dabei sind lediglich Praktikabilität, Spaß und Sicherheit entscheidende Kriterien für eine geeignete Bewegungsanimation am Arbeitsplatz.
    Es würde ja auch niemand den viel gepriesenen Rat “Treppe statt Aufzug” als gefährlichen Sport ablehnen … diesen und andere, gut gemeinte Ratschläge befolgen aber leider nur die Wenigsten.
    Hoffentlich nehmen Konzerne wie die Deutsche Telekom hier wieder eine Vorreiterrolle ein; glaubt man all den Studien zum Thema “Sitzen ist das neue Rauchen”, müssen Sitzarbeitsplätze in der Zukunft mehr und mehr dynamisiert werden.

  6. braun sagt:

    Aprilscherz?

    Seit wann sind Sportgeräte als Bürostühle geeignet? Wurden evtl. Rechtsgrundlagen geändert?

    Es wäre besser, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, das ist gesünder und die Arbeit leidet auch nicht.

  7. eine sehr gute Idee – hoofentlich findet es viele Unternehmen, die diese Idee aufnehmen und umsetzen.

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