Vorweihnachtlicher Endspurt: Gestern war ich bei einer Pressekonferenz der AOK zum Projekt „Peers im Krankenhaus“ (PiK). Hier ein kurzer Bericht:

Wenn Dagmar Marth die erste Zeit nach ihrem Unfall vor mehr als 20 Jahren beschreibt, wählt sie das Bild von einem dunklen Tunnel. Sie hatte überlebt, aber ihr fehlten ein Bein und ein Arm. Würde sie je wieder laufen, je wieder als Lehrerin arbeiten können? „Ich wusste nicht, an wen ich mich mit meinen Fragen wenden sollte“, erinnert sie sich. Damit es anderen Amputierten nicht genau so ergeht, arbeitet Dagmar Marth jetzt ehrenamtlich als Peer im Unfallkrankenhaus Berlin. „Ich bin heute ein glücklicher Mensch und möchte meine Erfahrung weiter geben, um anderen zu helfen.“

Das Kooperationsprojekt "Peers im Krankenhaus" wird mit einer Unterschrift besiegelt. V.r.n.l: Professor Axel Ekkernkamp vom UKB, Dr. Joachim Breuer von der DGUV und Frank Michalak von der AOK. Dr. Eckart von Hirschhausen (2. Reihe, Mitte) hat die Schirmherrschaft übernommen.

Das Kooperationsprojekt “Peers im Krankenhaus” wird mit einer Unterschrift besiegelt. V.r.n.l: Professor Axel Ekkernkamp vom UKB, Dr. Joachim Breuer von der DGUV und Frank Michalak von der AOK. Dr. Eckart von Hirschhausen (2. Reihe, Mitte) hat die Schirmherrschaft übernommen. (Bild: Scheurlen, UKB)

Eckart von Hirschhausen, Schirmherr von PiK, moderiert die Pressekonferenz mit Dagmar Marth und den Projekt-Verantwortlichen. Er ist begeistert von ihrer positiven Ausstrahlung und macht ihr ein Kompliment: „Es müsste noch mehr Menschen wie Sie geben.“ Zumindest wird es wohl in Zukunft noch mehr Peers geben. Dieses Ziel haben sich zumindest die AOK, das Unfallkrankenhaus Berlin und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gesteckt und heute mit einem Kooperationsvertrag besiegelt.

Insa Matthes, Ärztin in Unfallkrankenhaus Berlin macht bereits sehr gute Erfahrung mit Peers. „Die Begegnung mit jemandem, der Ähnliches erlebt hat, wirkt manchmal Wunder. Das letzte Stück Authentizität können wir als Mediziner nicht geben.“ Aber natürlich gibt es auch Vorbehalte. Welchen Einfluss haben Peers auf die Patienten und Patientinnen? Wer kümmert sich um deren Einsatz und wer zahlt die Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlich Tätigen? PiK setzt deshalb auf Information und Fortbildung, um für den Einsatz von Peers zu werben. Im Unfallkrankenhaus Berlin wurden gerade 60 Ärzte und Peers für Ihre Aufgaben geschult. Ein erster Schritt.

„Wir müssen erst Akzeptanz schaffen und die Verbreitung von etwas Neuem braucht Zeit“, sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV. In den BG-Kliniken, daran lässt er keinen Zweifel, wird die Beratung durch Peers gefördert. „Und vielleicht könnten wir darüber hinaus die Einbeziehung von Peers in die Rehabilitation auch zu einem Baustein im Zulassungsverfahren für unsere Vertragskliniken machen.“

„Gute Idee“, meint Eckart von Hirschhausen. Was ihm wichtig ist: Peers bringen etwas mit, das in jedem Krankenhaus Mangelware ist, aber für die Genesung von unschätzbarem Wert: Zeit und ein offenes Ohr.

Und hier noch ein Film zum Thema.

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