Wissen Sie was ein FitSeat ist oder kennen Sie einen Oxidesk? Und was hat das alles mit Motivation und Arbeitsschutz zu tun? Das wissen Sie nicht? Ich jetzt schon! Kürzlich fand bei uns im IFA ein spannender Workshop zu einem noch spannenderen Thema statt: Bewegungsförderung im Büro. Einen Tag lang haben sich Fachleute für Arbeitsschutz, für Gesundheitsforschung und Hersteller innovativer Bürolösungen ausgetauscht: Was spricht für mehr Bewegung im Büroalltag? Wie mache ich Unternehmen und Beschäftigten Lust darauf? Welche praktischen Lösungen, sprich Hilfsmittel, gibt es schon, um in das sitzende Geschäft der Computerarbeit und Co. buchstäblich mehr Schwung zu bringen. Und helfen die tatsächlich?

Ein Fahrradsitz bringt Bewegung:Beispiele für dynamische Büroarbeitsplätze wurden bei einem Workshop des IFA vorgestellt. (Bild: IFA)

Beispiele für dynamische Büroarbeitsplätze wurden bei einem Workshop des IFA vorgestellt. (Bild: IFA)

Sie würden staunen, wie viele originelle Ideen findige Köpfe bereits entwickelt haben, um aus dem müden, buckligen Büromenschen einen bewegungsfreudigen Kopfarbeiter mit gut durchsafteten (ja, so nennen das die Fachleute) Bandscheiben zu machen. Einige davon haben wir uns im IFA bereits genauer angesehen (IFA-Report). Im Übrigen – aktuelle Studien belegen das – bringt Bewegung am Schreibtisch oder in der Besprechung nicht nur Saft in die Bandscheiben, sondern auch in die Gehirnzellen: Wer sich mehr bewegt, arbeitet mit mehr Spaß, Energie und besseren Ergebnissen. Und dann ist da ja auch noch der Schönheitseffekt! Wussten Sie schon, dass ein optimales Gesundheitstraining mit einem zusätzlichen Verbrauch von mindestens 2000 Kilo-Kalorien pro Woche einhergehen muss, um auf Dauer die Kleidergröße nicht wechseln zu müssen? Und mal ehrlich: Wer von uns verbringt schon regelmäßig Zeit im Sportstudio oder auf dem Joggingpfad? Gar mindestens 150 Minuten, wie es die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt?

Ein Schreibtisch mit Ergometer: Ein Beispiel für einen dynamischen Büroarbeitsplatz. (Bild: IFA)

Ein Schreibtisch mit Ergometer: Herr Prof. Reinert, Leiter des IFA, demonstriert ein Beispiel für einen dynamischen Büroarbeitsplatz. (Bild: IFA)

Da kommt der Fahrradstuhl im Sitzungsraum oder das Sitzergometer am Schreibtisch doch gerade recht. Hier werden zwar keine Höchstleistungen erbracht, aber Kleinvieh macht auch Mist. Und es passiert eigentlich ganz nebenbei: Um die zwei Stunden gemächliches Strampeln pro Arbeitstag und die 2000 Kilokalorien sind verbraucht – während ich telefoniere, Unterlagen lese oder meine E-Mails mache. Das sollte doch zu schaffen sein! Welche Voraussetzungen braucht es nun aber, um all die innovativen Konzepte von FitSeat bis Oxidesk dorthin zu bringen, wo sie uns nutzen, nämlich in unsere Büros? Motivation! Und zwar auf zwei Seiten: Vorgesetzte müssen motiviert sein, diese besondere Investition für und in ihr Team zu leisten. Die, die wir an langes Sitzen und bewegungsarme Arbeitstage gewöhnt sind, müssen motiviert sein, uns vom herkömmlichen Büroalltag zumindest in Teilen zu verabschieden und die Bewegungsangebote regelmäßig zu nutzen. Ich finde, gute Gründe genug gibt es für alle Beteiligten, oder?

 

 

 

 

 

 

Ina NeitznerDies ist ein Gastbeitrag von unserer Kollegin Ina Neitzner. Frau Neitzner arbeitet im Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) und leitet dort das Referat “Wissenschaftliche Kooperationen”. In ihre Zuständigkeit fällt auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Institut. Privat schlägt ihr Herz für Tanz, Literatur und Frankreich.

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3 Antworten auf Mehr Saft für die Bandscheiben – Bewegung im Büro

  1. Jan Gumprecht sagt:

    Ich kann die Skepsis von Herrn Grütze gut nachvollziehen. Die Erfahrung in meinem Bekanntenkreis hat mir jedoch gezeigt, dass in der Regel aus anfänglicher Abneigung schnell Begeisterung wird, wenn man mal an einem dynamischen Arbeitsplatz sitzt. Ich denke die meisten sind wie ich irgendwann mal von Rückenproblemen, Müdigkeit im Büro oder einfach dem Drang nach mehr Bewegung geplagt und da finde ich solche Ansätze einfach toll und sehr produktivitätssteigernd. Zumal ich die ganz nebenbei einsetzen kann, ohne extra Zeit aufwenden zu müssen. Schwitzen war bis jetzt noch kein Thema. Wird es mir zu warm, trete ich einfach ein bisschen langsamer.

  2. Pauline sagt:

    Naja ich würde das einfach mal nicht so pessimistisch sehen wie mein lieber Vorredner. Ich denke sehr wohl, dass der Preis keine Rolle spielt, wenn es um einen guten Sessel geht.

  3. Tobias Grütze sagt:

    Der Ansatz ist gut, die Lösung scheint nicht praktikabel. Es bleiben viele Fragen: Liegen dazu schon Alltagserfahrungen vor oder nur Wissen aus Herstellerpräsentationen und Laborstudien? Hat die Autorin schon mal 2 h gestrampelt und währenddessen ihre Arbeiten erledigt? Ein Besuch in der Dusche ist dann wohl zusätzlich einzuplanen. Ein individuelles Ergometer müsste auf den Arbeitsplatz angepasst werden. Wer möchte schon den ganzen Tag im Sattel sitzen? Auch wichtig: Welcher Arbeitgeber würde ein Mehrfaches des Preises für einen sehr guten Bürostuhl ausgeben wollen, u. a. um seinen Mitarbeitern den Ausgleichssport zu ersparen?

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