Als es darum ging, auf der Kampagnen-Webseite „Denk an mich. Dein Rücken“ ein Portal in Leichter Sprache zu gestalten, gab es sofort einige Fragen, die mir als neuer Mitarbeiterin bei der DGUV in den Kopf kamen: Leichte Sprache – was versteht man darunter genau? Wo kann ich mich dazu informieren? Woher weiß ich am Ende, ob die Umsetzung in Leichte Sprache erfolgreich war? Aber eins nach dem anderen.

 

Was versteht man unter Leichter Sprache?

© Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

© Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen. Seit dem 26. März 2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) in Deutschland geltendes Recht. Da die DGUV eine besondere soziale Verantwortung für Arbeit und Gesundheit in der  Gesellschaft wahrnimmt, hat sie dazu einen eigenen Aktionsplan entworfen. Ein wichtiges Ziel darin ist die Inklusion – allen Menschen soll die Gelegenheit gegeben werden, gemäß ihren Möglichkeiten an der Gesellschaft teilzunehmen. Die Angebote in Leichter Sprache richten sich daher an Menschen mit Lernschwierigkeiten, die Texte in Alltagssprache nicht gut verstehen können. Die Texte sind in kurzen Sätzen und mit einfachen Wörtern geschrieben und es gibt viele erklärende Bilder.

Wo kann ich mich über den Aktionsplan der DGUV inkl. Leichter Sprache informieren?

In der Datenbank auf der DGUV-Homepage kann man den Aktionsplan kostenlos downloaden. Er beinhaltet die Ziele, die sich die DGUV selbst gesetzt hat, um die Vorgaben der UN-Konvention in ihrem Bereich umzusetzen. Unter anderem gibt es darin auch das Ziel, Informationsmaterialien in Leichter Sprache zur Verfügung zu stellen und so der Zielgruppe zugänglich zu machen. Natürlich ist auch der Aktionsplan selbst in Leichter Sprache erhältlich – klar!

Ist das Portal auf der Kampagnen-Webseite www.deinruecken.de nun erfolgreich in Leichte Sprache umgesetzt?

Nachdem wir mit Hilfe von Experten das Projekt umgesetzt hatten, wollten wir es genau wissen: Wie können wir denn jetzt testen, ob unser Portal mit der Leichten Sprache bei der Zielgruppe gut ankommt und ob alles leicht zu finden und zu verstehen ist? Zu diesem Thema haben wir mit der pädagogischen Mitarbeiterin Joanna Schneider von der intra bonn gemeinnützige GmbH gesprochen, die das Portal im Hinblick auf die Leichte Sprache getestet haben. Die intra bonn setzt sich seit 2001 mit verschiedenen Angeboten und Fachbereichen für eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein.

 

Frau Schneider, Sie testen die Ihnen vorgelegten Texte in Leichter Sprache. Wie funktioniert das, sitzt da jemand und liest Korrektur?

Nein, ganz und gar nicht. Wir legen die Texte Prüfgruppen vor, die die Zielgruppe der Texte in Leichter Sprache repräsentieren. Die Gruppen bestehen aus mindestens vier Personen. Das sind dann junge Erwachsene im Alter von 17 – 27 Jahren mit Unterstützungsbedarf – Unterstützungsbedarf bedeutet, dass eine geistige Behinderung oder Lernbehinderung vorliegt oder auch, dass die Personen nicht gut lesen können.

Wie läuft die Überprüfung der Texte dann praktisch ab?

Die Texte werden von den Teilnehmenden vorgelesen. Ein Gruppenleiter moderiert ein Gespräch innerhalb der Prüfgruppe, um so das Verständnis für die Inhalte zu prüfen. Meistens prüfen wir Broschüren. Webseiten in Leichter Sprache hatten wir bisher leider noch nicht sehr häufig. In Ihrem Fall wurde der Text mit den dazugehörigen Piktogrammen von der Webseite ausgedruckt und vorgelesen. Die Webseite wird danach separat geprüft, damit die Teilnehmenden nicht optisch durch Bilder und ähnliches auf der Webseite vom Text abgelenkt werden.

Was passiert denn, wenn sich herausstellt, dass das Verständnis von manchen Passagen bei den Leserinnen und Lesern nicht so gut ist?

Wir diskutieren dann in der Gruppe und erarbeiten eine andere sprachliche Lösung, die alle verstehen. So haben wir direktes Feedback und für die Teilnehmenden ist es auch immer sehr motivierend, wenn sie selbst eine gute sprachliche Lösung finden. Darüber hinaus hat der Prüfvorgang für die jungen Erwachsenen positive Aspekte wie die Gesundheitsförderung und die kritischen Auseinandersetzung mit verschiedensten Inhalten.

Und was hat die Prüfgruppe zu unserer Kampagnen-Webseite gesagt?

Nachdem wir die Texte geprüft haben, hat sich die Gruppe auch noch die Webseite in Bezug auf die Barrierefreiheit angeschaut, das heißt ob das Leichte Sprache Portal gut zugänglich ist und durch einen „Leichte Sprache-Button“ klar erkennbar ist. Die Prüfgruppe fand Ihre Webseite wirklich sehr gut. Alles ist übersichtlich und klar strukturiert und Inhalte sind schnell auffindbar. Aus unserer Sicht war die Umsetzung ein voller Erfolg!

 

Schauen Sie doch auch mal auf unserer Kampagnenseite vorbei und werfen einen Blick in das „Leichte Sprache“-Portal! Der Vergleich ist sehr interessant und man bekommt einen guten Eindruck davon, wie wichtig solche Webseiten für die Zielgruppe sind.

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