Gesellschaftlicher Wandel war schon immer ein Motor der Innovation. So auch der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder von ein bis drei Jahren. Er gilt seit dem 01. August 2013.

Schon in den Jahren zuvor wurden daher viele neue Krippenplätze geschaffen, so auch im Schwarzwald in der Nähe des Technischen Gymnasiums Waldshut. Die Erzieherinnen und Erzieher des Waldshuter Kindergartens Forsthof wussten, dass diese Entwicklung sie vor neue Herausforderungen stellen würde. Unter anderem Tagesausflüge mit den Kleinen zählten dazu. Mehrsitzige Kinderwagen wurden angeschafft, um die Situation zu erleichtern. Leicht waren diese Kinderwagen jedoch nicht zu schieben, besonders nicht im bergigen Südschwarzwald.

Auch für Erzieherin Irmtraud Hammerschmidt war das Gefährt, beladen mit vier Kindern schlicht zu schwer. Sie wandte sich daraufhin an ihren guten Freund und Nachbarn Siegfried Isele und schilderte ihm das Problem. Herr Isele wusste: Das ist eine tolle neue Herausforderung für seine Schüler vom Erfinder-Club.

Der Erfinder-Club des Technik-Lehrers hat es sich zum Ziel gesetzt, technische Verbesserungen im Alltag hervorzubringen, die sich außerdem noch positiv auf das soziale Leben auswirken.

So entstanden schon zahlreiche Erfindungen, die nicht nur das Leben der Schülerinnen und Schüler erleichtern. Eine Brezelschneidemaschine für die Arbeit in der Bäckerei, eine Fußballwaschanlage für den Fußballverein,  Klärschlammaufbereitungsanlagen für Kommunen oder der Partyteller mit Glashalter sind nur einige Beispiele. Meist gehen diese Erfindungen auf Ideen der Schülerinnen und Schüler zurück. “Beim E-Buggy kam die Initiative aber aus der beruflichen Praxis zu uns”, so Isele.

Mitten auf der Bühne: Die Gewinner des Sonderpreises für Prävention und Rehabilitation der DGUV, Sophie Weiler, Timo Morath und Michael Böhler

Mitten auf der Bühne: Die Gewinner des Sonderpreises für Prävention und Rehabilitation der DGUV, Sophie Weiler, Timo Morath und Michael Böhler. Bild: privat

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass sich die Club-Mitglieder Sophie Weiler, Timo Morath und Michael Böhler  der Sache annahmen. Ihre Lösung: Ein Viersitzer-Kinderwagen mit einem Elektromotor, einem Akku unter den Sitzen, einem Drehregler zum Gas geben am Griff des Kinderwagens und eine zusätzliche Scheibenbremsen  für sichere Bremsmanöver.

Mit ihren Erfindungen nahmen Iseles Tüftlerinnen und Tüftler schon oft und schon mehrmals erfolgreich am Wettbewerb “Jugend forscht” teil. So auch Sophie Weiler, Timo Morath und Michael Böhler. Nachdem sie mit ihrem E-Buggy Regional- und Landessieger bei Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb wurden, erreichten sie beim finalen Bundeswettbewerb, der dieses Jahr zum 50. Mal stattfand, den dritten Platz in der Kategorie Arbeitswelt. Zusätzlich wurde das Erfinder-Team mit dem Sonderpreis für Prävention und Rehabilitation der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Höhe von 1.000 Euro gekürt.

“Das war eine sehr wertvolle Erfahrung”, sagt Preisträgerin Sophie Weiler. “Wir haben viel gelernt, hatten jede Menge Spaß als Team und haben bei den Messen, bei denen wir mit dem E-Buggy waren, viele interessierte Menschen getroffen, es war ein tolles Gefühl wenn man den Messebesucher eine notwendige Neuheit präsentieren kann. Wir lernten auch auf den Messen und Ausstellungen sehr viel und bekamen noch obendrein viele nützliche Preise und Urkunden.”

Nun hofft Sophie Weiler, die nach ihrem Abitur ein Duales Studium in Elektrotechnik beginnt, dass der E-Buggy bald auf den Markt kommt. Einige Kaufinteressenten gibt  es schon, darunter sogar ein Scheich, Bürgermeister, Vermarkter, und viele Erzieherinnen mit ihren Kindertagesstätten.

Maxie BorchertDies ist ein Gastbeitrag von Maxie Borchert. Maxie war 2012 Jugendreporterin der “Paralympics Zeitung” und schrieb insbesondere auch Artikel über die Dokumentation “GOLD – Du kannst mehr als Du denkst”. Inspiriert durch diese Erfahrung und den Film GOLD realisierte sie im vergangenen Jahr ihr eigenes Filmprojekt “Bunter Sand”, welches unter anderem den Wert der Begegnung in der heutigen Zeit beleuchtet. 

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