Kinder toben viel und sind wild und das ist gut so. Allerdings sind sie genau deshalb auch anfälliger Unfälle zu erleiden. Für das Reha-Management der Unfallkassen ist das eine besondere Herausforderung, denn Heilbehandlung und Reha folgen eigenen Gesetzen.

Teil 1 - Mit dem Kunst-Arm leben lernen

Der Tag, an dem der zwölfjährige Moritz (Name von der Redaktion geändert) mit seinem rechten Arm bei einer feuerwehrdienstlichen Veranstaltung in den Motor einer elektrischen Maschine geriet, veränderte für ihn und seine Familie das ganze Leben.

© Gerhard Seybert - Fotolia.com

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Der Arm wurde in der Mitte des Unterarmes abgetrennt und der Versuch, den amputierten Arm zu replantieren, scheiterte trotz aller medizinischer Bemühungen. Nach ca. vierwöchiger Krankenhausbehandlung schloss sich eine vierwöchige Reha in einer speziellen Klinik für Kinder und Jugendliche an. Dort war Moritz nach kurzer Zeit dank der Unterstützung der Therapeuten in der Lage, viele Tätigkeiten mit der linken Hand, teilweise auch mit Unterstützung des vorhandenen Stumpfes auszuführen. So erlernte er das Schreiben mit links und das Binden einer „Einhänderschleife“. Er wurde in den Umgang mit kleineren Hilfsmitteln eingewiesen, damit er selbstständig essen, sich an- und ausziehen und die Körperpflege vornehmen konnte. Im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten wurde nach Therapieende in der Reha Schulstoff vermittelt.

Direkt nach der Entlassung aus der Reha konnte Moritz die Schule wieder besuchen, so hatte er trotz der schweren Verletzung nur etwa sechs Wochen Unterricht versäumt. Begleitend zum Schulunterricht erhielt er in der unterrichtsfreien Zeit Nachhilfe von einer an seiner Schule beschäftigten Sozialpädagogin. Moritz hatte einen strammen Zeitplan zu bewältigen, der neben dem Schulalltag auch noch Arzttermine und Ergotherapie umfasste. Dank der tatkräftigen Unterstützung seiner Familie, Freunde, Lehrer, der behandelnden Ärzte und Therapeuten und nicht zuletzt seiner Reha-Managerin der FUK meisterte er die Herausforderungen des Alltags nach besten Kräften.

Prothetische Versorgung

Die prothetische Versorgung eines Kindes stellt eine ganz besondere Herausforderung dar. Welche Prothese ist geeignet, den Verlust des Unterarmes und der Hand bestmöglich zu kompensieren? Wie verhält es sich mit der Prothesengröße- und -optik im Hinblick auf Wachstum und körperliche Entwicklung des Kindes? Welcher Anspruch besteht im Hinblick auf die Funktionalität einer Prothese?

Im Fall von Moritz wurde eine Austestung mit drei in Frage kommenden sog. myoelektrischen Prothesen veranlasst. Diese „High-tech“- Prothesen verfügen über eine unglaubliche, durch Elektroden gesteuerte Beweglichkeit der einzelnen Finger. Dabei werden die Steuerelektroden auf dem Stumpf des Armes angebracht und durch gezielte Muskelstimulation gesteuert. Das klingt nicht nur kompliziert, sondern ist in der Umsetzung gar nicht so einfach, schon gar nicht für ein Kind. Je vielseitiger die Möglichkeiten einer Prothese sind, umso schwieriger wird die Steuerung.

Die Austestung der für Moritz in Betracht kommenden Prothesen ergab letztendlich einen “Favoriten”, mit dem er dann auch versorgt wurde.

Für die nächsten Jahre wird der Prothesenschaft, der am vorhandenen Stumpf angesetzt wird, sicherlich mehrfach umgearbeitet und angepasst werden müssen, weil Moritz noch im Wachstum ist. Trotz der Unterarmamputation werden sich Oberarm und Unterarmstumpf durch dieses Wachstum in Form und Größe verändern, so dass der Prothesenschaft dann anzupassen ist. Gerade dieser Umstand stellt eine große Herausforderung bei der prothetischen Versorgung dar.

Lesen Sie nächste Woche Teil 2: Fraktur - wenn die Wachstumsfuge Sorgen macht.

Antje DralleDies ist ein Gastbeitrag von Antje Dralle, Reha-Managerin bei der FUK Niedersachsen.

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Eine Antwort auf Reha-Management bei Kindern und Jugendlichen (Teil 1)

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