Ein weiter Flur. Bunte Wände. Sonnenstrahlen, die durch Oberlichter fallen. Helle Möbel. Und dann das Dach: 840 Quadratmeter Raum, teilüberschattet von offenen Pavillons aus Holz. Eine andere Welt? Ja, ein anderer Planet! Der Kinderplanet in Neuwied, eine ganz besondere Kindertagesstätte mit Vorbildcharakter, die gerade ihren offiziellen Ritterschlag erhielt.

Was unterscheidet diese Kita von anderen? Sie schafft ein ideales Lern- und Spielumfeld für 120 Kinder – gut, damit ist sie nicht allein. Aber sie bietet auch bestmögliche, ergonomische Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher, und das ist neu: Möbel für Klein und Groß, rollbare Tische, spezielle Lüftungstechnik, schalldämmende Raumelemente, ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem, Rückzugsräume zum Durchschnaufen für die Beschäftigten und vieles mehr. All‘ das ist Ergebnis eines Forschungsprojektes. Zwischen 2012 und 2013 hatte das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) die gesundheitliche Situation von Erzieherinnen und Erziehern in Kitas systematisch untersucht und gefragt: Wie belastet ist vor allem das Muskel-Skelett-System an diesen Arbeitsplätzen? Welche Arbeitsbedingungen sind dafür Ausschlag gebend? Und ganz wichtig: Welche Veränderungen helfen?

Kinder Spielen auf der Dachterrasse der neuen Musterkita in Neuwied. Bild: Christine Bay

Kinder Spielen auf der Dachterrasse der neuen Musterkita in Neuwied. Bild: Christine Bay

Der Kinderplanet ist die buchstäblich in Stein und Holz gemeißelte Antwort auf die letzte Frage. „Wir sind Nutznießer dieser Grundlagenforschung“, bringt es Beate Eggert, Geschäftsführerin der Unfallkasse Rheinland-Pfalz (UK RLP), bei der Eröffnung auf den Punkt. Es sei für sie wunderbar, dass eine Idee nun wahr wurde. Tatsächlich war es die UK RLP, die das Projekt Musterkita seinerzeit initiierte und alle Beteiligten für den Plan begeisterte: die Stadt, als kommunale Trägerin, die Gemeindliche Siedlungsgesellschaft als Bauherrin und das IFA. Denn auch in der Planungs- und Bauphase war die Expertise des Instituts und seiner Fachleute für Ergonomie, Akustik, Lüftung, Beleuchtung und Strahlung weiterhin gefragt. So entstand eine vorbildliche Einrichtung, die sich verbreiten soll – so wünscht es sich auch die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie, Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Als zweifache Mutter weiß sie: „Die Erzieherinnen und Erzieher sind das Herzstück, damit Kinder gute Bildung und Betreuung erfahren.“ Gerade diese Berufsgruppe leide überdurchschnittlich häufig an Muskel-Skelett-Beschwerden und auch psychischen Erkrankungen. „Wir müssen unsere Kraft dahineinlegen, diese Menschen gesund zu erhalten durch entsprechende Arbeitsbedingungen“, so ihr Appell bei der Einweihungsfeier. Und solche Arbeitsbedingungen finden sich in der teils grundsanierten teils neugebauten Kita Kinderplanet tatsächlich. Das bestätigt – auch gerne vor laufenden Kameras – die Leiterin des Hauses.

Schlüsselübergabe auf dem Spieldach: das Projektteam mit Ministerin Bätzing-Lichtenthäler

Schlüsselübergabe auf dem Spieldach: das Projektteam mit Ministerin Bätzing-Lichtenthäler

Also Ende gut alles gut? Ja und nein. Denn vorerst ist der Kinderplanet recht allein in seiner Galaxie. Die gute Nachricht muss sich nun verbreiten. Will heißen: Kita-Träger bundesweit können und sollten sich hier Inspiration und Rat holen. Dabei steht nicht das „Gesamtpaket“ im Vordergrund, sondern die Vielzahl der verschiedenen Maßnahmen, die jede auf ihre Weise zu sicherem und gesundem Arbeiten ins Kitas beiträgt. „Man kann sich hier preiswerte Lösungen ansehen oder auch den „Mercedes“ unter den Maßnahmen“, erklärt Professor Rolf Ellegast, stellvertretender IFA-Chef und Projektleiter. So kann, wer immer mag, aus der Fülle des Angebotes das wählen, was der individuellen Situation entspricht. Hoffen wir, dass die Signale vom fernen Kinderplaneten möglichst viele erreichen.

Ina NeitznerDies ist ein Gastbeitrag von unserer Kollegin Ina Neitzner. Frau Neitzner arbeitet im Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) und leitet dort das Referat “Wissenschaftliche Kooperationen”. In ihre Zuständigkeit fällt auch die Öffentlichkeitsarbeit für das Institut. Privat schlägt ihr Herz für Tanz, Literatur und Frankreich.

Verschlagwortet mit: , ,

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *