Auch zum 16. Mal ist die Verleihung des German Paralympic Media Awards ein Ereignis, das emotional packt, anrührt, unter die Haut geht, Menschen verändert. Und das nicht nur in den großen Geschichten von den triumphalen Siegen, sondern auch in den kleinen Geschichten, die das Leben schreibt. Inklusion heißt der Gedanke, der sich in vielen der prämierten Journalistenbeiträge wiederspiegelt.

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Die Gewinner des Paralympic Media Awards 2016 (v.l.n.r.): Lukas Eberle (Kategorie Online/Social Media), Prof. Dr. Walter Schaffartzik (stv. für Alessandro Zanardi, der den Sonderpreis erhalten hat), Robert Freis (Kategorie TV/Film), Daniela Müllenborn (Kategorie Hörfunk), Christoph Cadenbach (Kategorie Print) und Oliver Kremer (Kategorie Foto). © Wolfgang Bellwinkel / DGUV

Die feierliche Preisübergabe am 6. April 2016 bei der DGUV in Berlin erlebten rund 150 Gäste aus Medien, Politik, Sport und Verbänden. Moderatorin Katrin Degenhardt und DGUV-Kommunikationsleiter Gregor Doepke führten durch ein spannendes Programm: Nach zweijähriger Pause hatte die DGUV den Journalistenpreis für herausragende Beiträge zum Behindertensport erneut ausgeschrieben. Diesmal größer als je zuvor, und – zusätzlich zu den drei Klassikern Print, Hörfunk und Film/TV – erstmals in zwei neuen Kategorien Foto und Online/Social Media. Dazu ein Sonderpreis, mit dem jeweils eine bedeutende Persönlichkeit des paralympischen Sports geehrt wird, diesmal: Alessandro Zanardi.

Der frühere Formel-1-Rennfahrer verlor bei einem schweren Unfall auf dem Lausitzring beide Beine. Millionen Fernsehzuschauer verfolgten live dieses schicksalhafte Rennen an jenem 15. September 2001: Ein Aufprall mit 320 km/h. Nach sieben Herzstillständen und mit nur noch einem Liter Blut im Körper erreicht Zanardi das Unfallkrankenhaus Berlin. In einer achtstündigen Notoperation rettet ein Team von Ärzten und Pflegekräften rund um Prof. Dr. Walter Schaffartzik seine Beine bis jeweils oberhalb der Knie. “In Berlin wurde mir ein zweites Leben geschenkt”, sagt Alessandro Zanardi – und meldet sich wenig später im Rennsport zurück. Fährt Automobilrennen für BMW in einem speziell umgebauten Wagen. Gewinnt als Handbiker bei den Paralympics 2012 in London zwei Gold-Medaillen. Misst sich im Ironman 2014 auf Hawai. Was treibt ihn an? “Ich bin Alex Zanardi, ein großer Optimist …” Schauen Sie sich einmal den 3-Minuten-Filmclip „Touch the sky with Alex Zanardi“ auf Youtube an!

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Alex Zanardi, Ex-Formel-1-Rennfahrer und heute Goldmedaillen-Gewinner im paralympischen Handbike, ist der Sonderpreisträger des German Paralympic Media Awards 2016. Den Preis nahm stellvertretend Prof. Dr. Walter Schaffartzik vom Unfallkrankenhaus Berlin entgegen (2.v.r.). Die Laudatio hielt der Juryvorsitzende Gerd Schönfelder (2.v.l.). Durch das Programm führten Moderatorin Katrin Degenhardt und DGUV-Kommunikationsleiter Gregor Doepke (r.). © Tom Maelsa / DGUV

Den Sonderpreis bei den German Paraympic Media Awards 2016 nahm stellvertretend Prof. Dr. Walter Schaffartzik entgegen. Sein deutscher “Papa”, sagt Zanardi über den Arzt, der ihm das Leben rettete. Der wiederum gab die Lorbeeren bei der Preisverleihung am 6. April an die erstbehandelnden amerikanischen Ärzte von damals am Lausitzring weiter – und an sein ganzes Team vom Unfallkrankenhaus Berlin. Wie der Sport in der Rehabilitation Kraft und Lebensmut freisetzt, das erleben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BG Kliniken in ihrer täglichen Arbeit.

Das ist der Grund, weshalb die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung sich so stark für den Behindertensport engagiert und  im Jahr 1999 erstmals den German Paralympic Media Award ausschrieb. “Ohne Sport als Eingangstür wären wir mit unserer Rehabilitation nicht so erfolgreich”, sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer, und fügt noch einen weiteren Grund hinzu: “Wir versuchen Inklusion zu leben. Wir haben einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auf den Weg gebracht. Doch es geht hier nicht allein um einzelne Maßnahmen. Es geht um die Idee dahinter: dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft hat.”

Und so finden sich unter den prämierten Beiträgen des German Paralympic Media Award 2016 genauso viele Geschichten, die den Gedanken der Inklusion in den Mittelpunkt stellen. Es sind die kleinen Geschichten, die das Leben schreibt. Und die uns anrühren. Wie die Reportage „Die Mannschaft“ aus dem SZ-Magazin. Autor Christoph Cadenbach hat dafür eine Berliner Fußballmannschaft begleitet auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung. Der Beitrag wurde mit dem ersten Preis in der Kategorie Print ausgezeichnet.

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Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales und Schirmherrin des German Paralympic Media Awards, hielt die Laudatio für die Reportage “Die Mannschaft” von Christoph Cadenbach, Sieger in der Kategorie Print. © Tom Maelsa / DGUV

Die Laudatio hielt Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales und Schirmherrin des German Paralympic Media Awards. “Das ist eine eindrückliche, und zum Teil übrigens auch amüsante Lektüre, die ich sehr empfehle”, so die Ministerin. Die Jury hatte vor allem das hohe Niveau der Schilderung gelobt und die Rolle des Sports, um von der Gesellschaft geübte Denkmuster zu durchbrechen: “Tradierte Beschreibungen der Protagonisten, wie beispielsweise ‘Mentale Entwicklungsstörung’, ‘geistige Behinderung’ oder ‘verminderte Intelligenz’ werden im Fußball schlicht ersetzt mit ‘Er ist unser bester Mann’“.

Für ihren Deutschlandfunk-Beitrag über Inklusion in einem Kölner Fitness-Studio holte Daniela Müllenborn den ersten Preis in der Kategorie Hörfunk. Wie verabredet man sich im Fitness-Studio mit einer jungen Frau, die fast blind ist? “Ich bin in der Farbe Pink gekleidet”, soviel habe ihr Saskia im Vorgespräch am Telefon verraten, erzählt Daniela Müllenborn, als sie ihren Preis auf der Bühne entgegennimmt. “Wie muss sich das anfühlen: Alle sehen Dich, aber Du siehst fast niemanden? Ich habe dann gesagt: Saskia, ich stehe jetzt neben Dir, ich habe das Mikrofon schon an …” Wenn man offen miteinander und über die Behinderung spricht, sind die Hürden für Inklusion im Sport gar nicht mehr so hoch, so die Botschaft des Beitrags. Zu Wort kommt darin auch Thomas Abel, Professor für paralympischen Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln. Er appelliert nicht zu warten, bis alle Trainer zu Experten ausgebildet seien: “Sondern wir müssen manchmal auch einfach Mut haben, zu sagen, ich probiere mal was aus …”

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Vorfreude auf die Paralympics 2016 in Rio: Brasiliens Botschafterin Maria Luiza Ribeiro Viotti (2.v.l.) kam zur Preisverleihung der German Paralympic Media Awards, hier mit den Gastgebern (v.l.n.r.) DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer, den DGUV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Rainhardt Freiherr von Leoprechting und Manfred Wirsch sowie Bundesministerin Andrea Nahles (2.v.r.). © Tom Maelsa / DGUV

Das Wort “Mut” habe die Jury überzeugt, sagt Laudator Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels: “Ermutigen möchten wir alle Journalisten, es der Preisträgerin gleich zu tun.” Lorenz Maroldt ist Mitglied der siebenköpfigen Jury von namhaften Repräsentanten aus Sport, Verbänden und Politik zum German Paralympic Media Award. Die Jury lobt die hohe Qualität und leidenschaftliche Berichterstattung der eingereichten Beiträge. Der paralympische Spitzensport hat sich inzwischen seinen Platz in den Medien erobert. “Wir alle kennen die Berichte über die Paralympics. Doch es gibt tausende tolle Beiträge dazwischen, über die es sich zu berichten lohnt. Der Leistungssport lebt vom Breitensport”, sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer. Dies sei auch ein Motiv für die DGUV gewesen, diesen Journalistenpreis ins Leben zu rufen. Er ist Teil eines vielfältigen Engagements für den Reha- und Behindertensport.

Der German Paralympics Media Award nominiert beides, herausragende Beispiele aus dem Leistungssport genauso wie aus dem Breitensport. “Der Moment” heißt die Fotoserie, mit der Oliver Kremer den German Paralympics Media Award 2016 in der Kategorie Foto gewonnen hat. Er hat den Zeitpunkt des Triumphes eingefangen, auf den die Athleten ein lange Zeit hingearbeitet haben: Wenn man nach dem Wettkampf das Ziel erreicht. Im September ist es in Rio de Janeiro wieder soweit, dann starten die Paralympics 2016. Brasiliens Botschafterin Maria Luiza Ribeiro Viotti ließ es sich nicht nehmen, persönlich zur Preisverleihung der German Paralmympic Media Awards bei der DGUV vorbeizuschauen.

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Mediales Interesse: Herausragende journalistische Beiträge im Behindertensport zu fördern ist das Ziel des German Paralympic Media Awards. Hier gibt Jurymitglied Manuela Schmermund ein Interview zur Preisverleihung 2016. © Tom Maelsa / DGUV

Genügend Anlässe also für bewegende Geschichten bis zum nächsten German Paralympic Media Award 2017. Die Jury freut sich auf viele, viele Einreichungen – und darauf, in 2017 wieder herausragende Beiträge über den Behindertensport prämieren zu dürfen.

 

Mehr Informationen zum Journalistenpreis:
„German Paralmpic Media Award“

Alle nominierten Journalistenbeiträge stehen auf der Internetseite www.dguv.de/gpma im Original zum Download zur Verfügung. Hier gibt es außerdem Fotos und Videos von der Preisverleihung in Berlin und aktuelle Informationen rund um den Preis.

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