Eindrücke von der 17. Verleihung des German Paralympic Media Award

GPMA 2017 - Gruppenbild

Die Preisträgerinnen und Preisträger des German Paralympic Media Award 2017 und die Mitglieder der Jury (Quelle: DGUV/Tom Maelsa)

Ein Hauch von Oscars wehte am 29. März 2017 durch die Räume der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in der Berliner Glinkastraße. Der German Paralympic Media Award 2017 (GPMA) wurde verliehen – und für einen Moment sah es so aus, als würde sich auch die wohl berühmteste Oscar-Panne der Geschichte hier im Kleinen wiederholen: Die beiden Athleten Niko Kappel und Matthias Mester verlasen gerade gemeinsam die Namen der Preisträger in der Kategorie Print – nur fand sich in ihren beiden Umschlägen jeweils ein anderer Name. Während Mester stolz verkündete, der Journalist Daniel Hock erhielte für seine Reportage „200 Meter Perfektion“ über die Sportlerin Edina Müller den GPMA 2017, zeichnete Kappel die Redaktion des Sport-Magazins „1890“ für seine paralympische Berichterstattung aus. Da drängte sich die Erinnerung an den Moment auf, als Faye Dunnaway den falschen Gewinner aus dem Umschlag zog und „Lalaland“ – und nicht den eigentlichen Gewinner „Moonlight“ – als Oscar-Gewinner bekannt gab. „Du weißt, Matthias: Die, denen das passiert ist, wurden einen Kopf kürzer gemacht“, zeigte sich Kappel beunruhigt. „Dann wird es wohl zukünftig nichts mehr mit den Freizeitparks“, scherzte Mester und bat den Jury-Vorsitzenden, Gerd Schönfelder, die Verwirrung aufzuklären. Der genoss die Aufregung sichtlich, bevor er auf die Bühne kam, um das Rätsel aufzulösen: „Keiner von Euch beiden hat Recht, weil beide Recht haben.“ Die Jury habe sich angesichts der herausragenden Qualität beider Einreichungen darauf verständigt, einfach beiden Nominierten den Preis zuzusprechen.

Mit dem GPMA zeichnet die gesetzliche Unfallversicherung herausragende Berichterstattung über den Behinderten- und Rehasport aus. Insgesamt 82 Beiträge konkurrierten in diesem Jahr um den 1. Platz in den Kategorien Print, Online/Social Media, Foto, Hörfunk und Fernsehen. Es war bereits die 17. Verleihung des Medienpreises. Und sie war voll von lustigen, aber auch bewegenden Momenten. Das lag insbesondere an den Sportlerinnen und Sportlern, die die Würdigungen auf die Preisträgerinnen und Preisträger hielten und dabei immer wieder auf ihr Herzensanliegen aufmerksam machten: die Bedeutung des Sports für Rehabilitation und Inklusion zu unterstreichen.

Auf den Punkt brachte das die Trägerin des Sonderpreises der Jury, die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen Verena Bentele, in ihrer Rede: „Alle Menschen in Deutschland sind dafür verantwortlich, wie wir in dieser Gesellschaft leben – Sportler tragen ihren Teil dazu bei.“

Ähnlich äußerten sich auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Anette Kramme, und DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer: „Sport ist gesellschaftliche Teilhabe“, so Kramme. Breuer betonte die Bedeutung des paralympischen Sports für die Rehabilitation: „Jeder braucht Vorbilder – und das bieten die Paralympics.“

Immer wieder wurde an diesem Vormittag deutlich: Das Besondere am Sport von Menschen mit Behinderungen sind nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern auch seine menschliche Seite. „Ohne die Spieler wäre unsere Berichterstattung ja gar nicht möglich“, sagte die Fotojournalistin und Preisträgerin Conny Kurth. Maria Fremmer und Heike Mund, Preisträgerinnen in der Kategorie Hörfunk, berichteten über ihre Erfahrungen mit der Ausnahmesportlerin Silke Pan, die sie für ein Feature über Jahre hinweg begleiteten. Die Kraft von Pans Persönlichkeit habe sie überzeugt, das Wagnis einzugehen, die Recherche ohne feste Zusage einer Redaktion durchzuführen, den Beitrag abzunehmen. Und Marcel Wienands, zusammen mit Andre Hofmann, Niklas Klütsch, Thomas Stephany ausgezeichnet für das Projekt „RioMaNiacs“ sprach davon, dass mit der Teilnahme an den Paralympics ein Traum für ihn in Erfüllung gegangen sein.

An die besondere Atmosphäre in Rio de Janeiro hatte auch der DGUV-Vorstandsvorsitzende Dr. Rainhardt Freiherr von Leoprechting noch lebhafte Erinnerungen: Beeindruckt habe ihn der „spürbare Respekt füreinander“, der bei aller Konkurrenz das Miteinander der Sportlerinnen und Sportler geprägt habe. Dem stimmte der ZDF-Reporter Matthias Berg zu: Die Erfahrung, mit einer Behinderung zu leben, mache für ihn den Unterschied zwischen Olympia und den Paralympics aus.

Die schönsten Worte fand jedoch die Sportlerin Franziska Liebhardt, die den Preis in der Kategorie TV an das ZDF-Team um Peter Leissl für eine Reportage und ein Interview mit der unheilbar erkrankten belgischen Leichtathletin Marieke Vervoort übergab. „Mit einer Behinderung leben zu lernen, ist für jeden Menschen ein mentaler Kampf. Die besondere Kraft des Sports ist: Er kann einen ins Leben zurückkatapultieren. Das macht die Magie der Paralympics aus.“

Verschlagwortet mit: , , , , , , , , , , , ,

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *