Beantworten Sie E-Mails auf Ihrer Bahnfahrt oder am Flughafen? Nehmen Sie Dienstgespräche entgegen, während Sie mit dem eigenen Kind auf dem Spielplatz sind? Sind Sie in Teilzeit oder befristet beschäftigt oder haben mehrere Jobs? Bei diesen Fragen heben sich im Telefónica Basecamp in Berlin viele Hände im Publikum.

Dr. Susanne Roscher, VBG (Bild: Andree)

Dr. Susanne Roscher, VBG (Bild: Andree)

„Wie Sie sehen, sind wir schon mittendrin in der neuen Arbeitswelt“, kommentiert Dr. Susanne Roscher vom Sachgebiet „Neue Formen der Arbeit“ der DGUV ihre kleine Umfrage. Roscher hält den Impulsvortrag in der mittäglichen Diskussionsrunde zu dem Thema: „Arbeit 4.0 verlangt neue Antworten für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung“.

„Neue Formen der Arbeit. Neue Formen der Prävention“ lautet der Titel des Initiativpapiers, das die DGUV zu diesem Anlass vorstellt. „Wir haben uns gefragt, was ist eigentlich das Neue an der Arbeit 4.0“, so Roscher. Neue Technologien, eine zunehmende räumliche und zeitliche Flexibilisierung, eine neue Art und Weise der Führung, sowie eine neue Vielfalt der Beschäftigungsverhältnisse sind vier zentrale Trends, die das Papier mit „Arbeiten 4.0“ in Verbindung bringt.

Auf der gut besuchten Veranstaltung sind sich die Podiumsteilnehmer einig: Ja, die Digitalisierung und die zunehmende Flexibilisierung haben einen erheblichen Einfluss darauf, dass sich unsere Arbeit in Zukunft verändern wird.

Schöne, neue Arbeitswelt lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung im Telefónica Basecamp in Berlin. Teilnehmende (v.l.n.r:) Stefan Boltz, Pressesprecher der DGUV, Dr. Nanne von Hahn, Telefónica, Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der DGUV, Dr. Susanne Roscher, VBG. (Foto: Andree)

Schöne, neue Arbeitswelt lautete der Titel einer Diskussionsveranstaltung im Telefónica Basecamp in Berlin. Teilnehmende (v.l.n.r:) Stefan Boltz, Pressesprecher der DGUV, Dr. Nanne von Hahn, Telefónica, Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der DGUV, Dr. Susanne Roscher, VBG. (Foto: Andree)

Ob sie auch „schön“ wird, hängt allerdings im hohen Maße davon ab, wie die neuen Organisationsstrukturen aussehen werden. „Die neuen Trends bieten große Chancen, aber nur bei guter Arbeitsgestaltung“, sagt Roscher: „bei schlechter Arbeitsgestaltung drohen unerwünschte Nebenwirkungen.“ Zum Beispiel der Druck auf Beschäftigte, ständig erreichbar und präsent zu sein. Oder als Einzelkämpfer gar nicht mehr von Präventionsangeboten erreicht zu werden.

„Das Arbeitsschutzgesetz gilt ausschließlich für Beschäftigte. Dieser Begriff deckt viele der neuen Beschäftigungsformen nicht mehr ab. Hier liegt eine große Herausforderung“, sagt Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der gesetzlichen Unfallversicherung: „In unserem Initiativpapier sprechen wir deshalb von ‚Erwerbstätigen‘. Das wäre auch ein Vorschlag ans BMAS.“

Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der DGUV

Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der DGUV

Notwendig sei eine früh einsetzende und flächendeckende Präventionskultur in den Unternehmen. Denn besonders in der Langzeitperspektive wird eines deutlich: Ein gesundes Unternehmen braucht gesunde, motivierte Mitarbeitende – auch in einer digitalisierten Welt. Dazu Dr. Nanne von Hahn von Telefónica Deutschland: „Als Unternehmen wollen wir unsere Beschäftigten und ihr Wissen an uns binden, sie sind unsere wichtigste Ressource. Deshalb kommt es ganz stark auf transparente Kommunikation und die Führungskultur im Unternehmen an. Was lebe ich vor?“

„Gesundheit immer mitdenken, das ist auch das Ziel unserer kommenden Präventionskampagne“, so Walter Eichendorf: „Wir wollen Sicherheit und Gesundheit in jeden Unternehmensbereich hineintragen.“ Das gehe nur, wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbezogen würden und alle bereit seien, auch aus Fehlern zu lernen. „Eine Fehlerkultur ist wichtig, sie muss aber mehr sein als ein Lippenbekenntnis“, sagt Susanne Roscher. Und Nanne von Hahn ergänzt: „Wenn man sie ernst nimmt, kann sie ein wichtiger Impulsgeber für Innovation im Unternehmen sein.

Digitale Technik wird die Beschäftigten künftig an vielen Punkten entlasten. Aber birgt sie nicht auch die Gefahr der Überforderung? Die Bedienung mehrerer Kommunikationskanäle kann zu erhöhtem Stress führen. Auch das Lesen und Filtern von Information aus der Online-Datenflut, sind Kompetenzen, die erst noch aufgebaut werden müssen. „Lebenslanges Lernen ist essenziell“, so Roscher. „Prävention wird künftig noch viel stärker schon bei der technischen Entwicklung mitgedacht werden müssen.“

Dr. Nanne von Hahn, Telefónica Deutschland(Foto: Andree)

Dr. Nanne von Hahn, Telefónica Deutschland (Foto: Andree)

Auch die Rolle der gesetzlichen Unfallversicherung wird sich wandeln. „Wir merken das schon jetzt bei unseren Besuchen in Unternehmen. Es kommt immer stärker auf eine ganzheitliche Beratung an. Die Gefährdungsbeurteilung ist da ein tolles Instrument“, sagt Susanne Roscher. „Unser Anspruch“, so Walter Eichendorf“, „ist es, neue Entwicklungen zu begleiten und den Unternehmen zeitnah entsprechende Lösungen anbieten zu können.“

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2 Antworten auf Arbeit 4.0 – Chancen und unerwünschte Nebenwirkungen

  1. Elke Biesel sagt:

    Sehr geehrter Herr Mertens,
    vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Die gesetzliche Unfallversicherung ist sich der Themen, die Sie unter dem Stichwort “Industrie 4.0″ ansprechen, bewusst. Kolleginnen und Kollegen aus den Arbeitsbereichen Maschinensicherheit und Robotik setzen sich mit den Fragen, die Sie ansprechen, auseinander. Wir freuen uns jederzeit über Hinweise und Anregungen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Elke Biesel

  2. Guten Tag,
    wenn der Begriff “Arbeit 4.0″ einen Bezug zum Begriff “Industrie 4.0″ haben soll, so finde ich wichtig, dass die zukünftigen Anforderung nur eine sehr kleine Schnittmenge mit den derzeitigen Anforderungen der Digitalisierung beinhaltet. Im Bereich Industrie 4.0 wird es drei neue Grundpfeiler geben die Einfluss neben auf Arbeit 4.0.
    1. einheitlicher Datenpool zur Digitalisierung der Hardware
    => hier sollten Daten eingepflegt werden die in einer automatisierten Gefahrenanalyse oder Risikobeurteilung berücksichtigt werden können ( Grenzen für Temperatur, Gewichte, Beschaffenheit, Produktgefahren….)
    2. Smart Engineering
    => hier sollte funktionale Sicherheit zur Ausfallwahrscheinlichkeit und Vernetzung mit einbezogen werden
    3. Smart Konstruktion
    => Verantwortungsbereiche in den Themen „Gesamtheit von Maschine“ und „wesentliche Veränderung“ sollten frühzeitig definiert und toleriert werden. Hier bestehen derzeit unzureichende Aussagen im Bereich der Maschinenrichtlinie und der BetrSichV.
    Gerne würde ich mich an Diskussionen in diesem Bereich beteiligen.
    Mit freundlichem Gruß
    Volker Mertens

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